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Entlassung erhalten – ist sie gerechtfertigt?

Lesedauer: ca. 6 Minuten · Stand: April 2026 - Heninger Law: Wir definieren Arbeitsrecht neu!

Entlassung erhalten – ist sie gerechtfertigt?

Eine Entlassung ist die schärfste Waffe des Arbeitgebers. Das Dienstverhältnis endet sofort. Es bedarf sohin keiner Einhaltung einer Frist. In vielen Fällen verliert der Arbeitnehmer dadurch seine Ansprüche auf seine Abfertigung und etwaige Sonderzahlungen.

Doch viele Entlassungen halten einer rechtlichen Prüfung nicht stand. Wer schnell handelt, kann in der Regel erhebliche Beträge zurückholen.


Entlassung anfechten


Was ist eine Entlassung?

Eine Entlassung ist die einseitige fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses durch den Arbeitgeber. Im Unterschied zur Kündigung müssen keine Fristen eingehalten werden. Sie kann nur ausgesprochen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, der dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht.

Die Entlassungsgründe sind im Angestelltengesetz und in der Gewerbeordnung gesetzlich aufgezählt. Sie werden von der Rechtsprechung eng ausgelegt. Dies bedeutet, dass nicht jedes Fehlverhalten eine Entlassung rechtfertigt.

Die wichtigsten Entlassungsgründe im Arbeitsrecht

Vertrauensunwürdigkeit: Verhalten, das den Arbeitgeber das Vertrauen in den Arbeitnehmer verlieren lässt. Klassiker sind Diebstahl, Unterschlagung, Spesenmanipulation oder grobe Beleidigungen. Auch private Handlungen können Vertrauensunwürdigkeit begründen, wenn sie auf das Dienstverhältnis durchschlagen. Als Beispiel kann Drogenkonsum genannt werden.

Dienstpflichtverletzung: Beharrliche Pflichtverletzung trotz Abmahnung. Ein einmaliges Versagen reicht in der Regel nicht aus, dass der Entlassungsgrund der Dienstpflichtverletzung erfüllt ist. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer grundsätzlich zuerst abmahnen.

Arbeitsverweigerung: Beharrliche und unberechtigte Verweigerung der Arbeitsleistung.

Tätlichkeit oder grobe Ehrverletzung: Gegenüber Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden.

Konkurrenztätigkeit: Wer während des Dienstverhältnisses für die Konkurrenz tätig wird, riskiert die Entlassung.

Längere Arbeitsunfähigkeit: Ist nur in eng begrenzten Ausnahmefällen ein Entlassungsgrund (etwa bei dauernder Dienstunfähigkeit). Krankenstand allein rechtfertigt keine Entlassung.

Wann eine Entlassung unwirksam ist

Auch wenn ein Entlassungsgrund vorliegt, kann die Entlassung aus formalen oder materiellen Gründen scheitern:

  • Verspätet ausgesprochen: Der Arbeitgeber muss die Entlassung ohne unnötigen Aufschub aussprechen. Also unverzüglich, sobald er vom Entlassungsgrund Kenntnis erlangt hat. Wartet er Tage oder Wochen, ist der Ausspruch der Entlassung verfristet.
  • Keine ausreichende Schwere: Das Fehlverhalten muss derart gravierend sein, dass eine sofortige Beendigung gerechtfertigt ist. Geringfügige Verfehlungen sind nicht ausreichend.
  • Fehlende Abmahnung: In Fällen, in denen die Entlassung an Pflichtverletzungen anknüpft, ist meist eine vorherige Abmahnung erforderlich.
  • Mitverschulden des Arbeitgebers: Wenn der Arbeitgeber selbst zum Konflikt beigetragen hat (z.B. durch Provokation oder explizite Anordnungen), kann dies die Entlassung entkräften.
  • Unverhältnismäßigkeit: Die Entlassung als schwerstes Mittel muss verhältnismäßig sein. Bei langer Beschäftigung und einmaliger Verfehlung ist sie oft nicht gerechtfertigt.

Was steht Ihnen bei ungerechtfertigter Entlassung zu?

Wird die Entlassung als ungerechtfertigt erkannt, behandelt das Recht sie wie eine ungerechtfertigte vorzeitige Auflösung bzw eine Arbeitgeberkündigung.

Folglich besteht die Möglichkeit die Entlassung (wie eine Kündigung) anzufechten (Entlassungsanfechtung). Dazu dürfen wir auch auf unseren Ratgeber zum Verhalten bei einer Kündigung verweisen.

So Sie die Beendigung gelten lassen möchten, haben Sie dann Anspruch auf:

  • Kündigungsentschädigung: Gehalt für die Zeit, die bei ordnungsgemäßer Kündigung gelaufen wäre
  • Aliquote Sonderzahlungen für diesen Zeitraum
  • Abfertigung (alt oder neu, je nach Eintrittsdatum)
  • Urlaubsersatzleistung
  • Allenfalls weitere Schadensersatzansprüche

Praxisbeispiel: Ein Mandant wurde nach 8 Jahren Dienstzeit fristlos entlassen. Begründet wurde dies mit der Behauptung einer Beleidigung eines Kunden. Die Entlassung wurde durch unser Einschreiten gerichtlich für ungerechtfertigt erkannt. Wir konnten für unseren Mandanten eine Zahlung in Höhe von 10 Monatsgehältern erwirken.

Sofortmaßnahmen nach Entlassung

  • Lassen Sie sich die Entlassung schriftlich überreichen. Das Datum soll dokumentiert werden.
  • Notieren Sie sich sofort den genauen Hergang: Was wurde Ihnen vorgeworfen? Wer war Zeuge? Wann wurde der Vorwurf erstmals erhoben?
  • Sammeln Sie Beweise: E-Mails, SMS, schriftliche Anweisungen, frühere Abmahnungen oder eben das Fehlen davon.
  • Vereinbaren Sie umgehend einen Termin bei einem auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt – idealerweise innerhalb von 14 Tagen.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Wie lange habe ich Zeit, eine Entlassung gerichtlich anzufechten?

Die Frist zur Anfechtung einer Entlassung beträgt 14 Tage.
Möchten Sie demgegenüber "lediglich" die Beendigungsansprüche geltend machen, so gelten die gewöhnlichen Verjährungsfristen. Diese können jedoch durch Verfallsfristen verkürzt werden.

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Verliere ich bei einer Entlassung wirklich die Abfertigung?

Bei einer Entlassung aus Verschulden des Arbeitnehmers entfällt der Abfertigungsanspruch (im alten System). Wird die Entlassung aber als ungerechtfertigt erkannt, wird das Dienstverhältnis so behandelt, als wäre es durch Arbeitgeberkündigung beendet worden. Also mit der vollen Abfertigung.

Kann ich nach einer Entlassung sofort einen neuen Job antreten?

Ja. Sie können sofort ein neues Dienstverhältnis antreten.

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Bekomme ich nach einer Entlassung Arbeitslosengeld?

Bei einer Entlassung droht eine vierwöchige Sperrfrist beim AMS. Wird die Entlassung später als rechtsunwirksam erklärt, kann diese rückwirkend aufgehoben werden.

Ist eine Abmahnung vor der Entlassung immer erforderlich?

Nein. Bei besonders schwerwiegenden Verfehlungen kann sofort eine Entlassung ausgesprochen werden. Bei Pflichtverletzungen, die einer Verhaltensänderung zugänglich sind, ist eine Abmahnung in der Regel notwendig und erforderlich.

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